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Ömer vulgo Freidhofer

 
     
 

    

    

    

 
 

 

 
     
 

Hausgeschichte des Freidhofergutes in Nettingsdorf

Das Freidhofergut stand durch die Jahrhunderte bis zur Bauernbefreiung im Jahre 1848 unter der Grundherrschaft des Schlosses Weißenberg. An das Schloß Weißenberg waren daher die Grundabgaben zu entrichten und auch die „Gefälle“ (Abgaben) bei Todesfällen und Verlassenschaftsabhandlungen zu leisten.
Die Inhaber des Schlosses Weißenberg holten aus ihren Grunduntertanen an Abgaben alles heraus, was nur gesetzlich herauszuholen war. Dies geht aus den Protokollbüchern der Herrschaft hervor. Während z-B. das Stift St. Florian von seinen Grunduntertanen bei einem Todesfall die zehnprozentigen Abgaben, die dem Grundherrn zustanden, nur nach dem Gutswert (Einheitswert) berechnete, berechneten die Herren des Schlosses Weißenberg diese zehnprozentigen Abgaben vom Gutswert, vom Fahrniswert und von sonstigen Vermögenswerten. Durch diese Berechnung auf der Grundlage des Gesamtvermögens kam es zu bedeutend höheren Abgaben. Dies wird in den Verlassenschaftsabhandlungen noch sichtbar, die aus den Jahren 1673,1692,1730 usw. vorliegen.
Außer den Abgaben an die Grundherrschaft gab es noch die kirchliche Abgabe, den Zehent, zu entrichten. Den Zehent hatte das Freidhofergut- auch bis zum Jahre 1848- an das Stift St. Florian zu leisten. Das bedeutete für das Freidhofergut ganz unabhängig von den jährlichen und den bei besonderen Anlässen wie Todesfällen und Vererbungen zu leistenden Abgaben an das Schloß Weißenberg die Abgabe von 10 Prozent des Ernteertrages an das Stift St. Florian.

Eine erste Aufzeichnung über einen „Freudhofer“ ist im Protokollbuch zu finden, das die Herrschaft Weißenberg im Jahre 1620 geführt hat. Darin ist zu Weihnachten 1620 von einem Hansen Freudhofer die Rede. Dieser Hans Freudhofer war von der Herrschaft Weißenberg als Gerhab (Vormund) für einen Sohn vom Mayr in Baumgarten bestellt worden, als „Gilg Mayr zu Baumgarten“ gestorben war. Als Vormund hatte Hans Freudhofer die Erbschaft dieses Sohnes vom Mayr im Baumgarten zu verwalten.
Erbschaftsverträge von Kindern wurden vielfach gegen Zinsen verliehen. Ein Andreas Mayranderl hatte sich aus der erwähnten Erbschaft einen Betrag entliehen. Dafür wurde ein Schuldbrief ausgestellt. In diesem Schuldbrief ist Hans Freudhofer als Verantwortlicher für die Entlehnung genannt. (LA,Kremsmünsterer Hs.433,S 23)

In die Jahre der Besitzer Jakob und Theresia Schmidbauer fällt die Anlage des Stabilen Grundkatasters unter Kaiser Franz I., er wird auch Franziszeischer Kataster genannt.
Bei der Erstellung dieses Katasters wurden die einzelnen Grundflächen (Parzellen) der etwa 30 Jahre vorher unter Joseph II. geschaffenen Katastral- oder Steuergemeinden durch Vermessungs-Fachkräfte nochmals genau vermessen. Die Vermessung für den Josephinischen Kataster führten ja die Untertanen nach genauer Anleitung selber durch.
Auch wurde erstmals eine vollständige Mappierung, also die Eintragung jeder einzelnen Parzelle in maßstäbliche Pläne durchgeführt. Der fast ausschließlich verwendete Planmaßstab war 1: 2880, abgeleitet von dem damals noch üblichen Zoll (Klafter)- Maßsystem und den beim Militär verwendeten Kartenblättern.
Diese Lagepläne liegen im OÖ Landesarchiv auf und geben ein gutes Bild über die damalige Besiedlungsdichte und zeigen noch manche Häuser, die mittlerweile längst abgetragen wurden. Auch die Unterteilung des Bodens in Wiesen, Felder und Wald ist in den Plänen deutlich durch unterschiedliche Farbgebung zu erkennen.
Im Grundstücks- Besitzerverzeichnis sind folgende dem Freudhofer Anwesen zugehörigen Grundparzellen angeführt, unterteilt nach den Sektionen der Katasterpläne:
Jakob Schmidbauer, Freydhofergut
Sektion II
401,402,404,421
403,420,422
Sektion III
403,420,422
515 bis 525
560,561,599,619,632,650,651,652,653
(Franziszeum KG Nettingsdorf LA, Franz. 629)
Haus Nr 25
Freydhofergütl
Schmidbauer Jakob, Bauer von Niederau
Section IV:
Parz. 988,1045,1045,1047
Section V:
1047
(LA. Franz.Kat. Nr.468)

Weil die Anlage des Stabilen Katasters vor allem den Zweck hatte, eine neue und gerechtere Besteuerung der Einkünfte aus dem Ertrag des Grundes und Bodens zu ermitteln, wurde in jeder Katastralgemeinde ein Ausschuß gebildet, der gemeinsam mit den staatlichen Beamten alle dafür notwendigen Grundlagen erarbeiten mußte.
Man hat sich die Arbeit nicht leicht gemacht, vor allem deswegen, weil die abgeordneten Vertrauensleute der Gemeinden ihr Einverständnis zu allen gemeinsam erarbeiteten Werten per Unterschrift geben mussten; letzten Endes wirkte sich ja alles auf die künftige Besteuerung aus.

In den Niederschriften des Franz. Kat. für die Steuergemeinde Nettingsdorf finden sich eine Fülle von allgemein informativen Angaben, die für die Behörde eine realistische Einschätzung der wirtschaftlichen Möglichkeiten dieser Gemeinde geben sollte.
Weil diese Angaben ein recht deutliches Bild der damaligen Bevölkerung und ihrer Lebensumstände geben, sei dieses Schriftstück hier in der Original- Schreibweise angeführt.

„Katastral Schätzungs-Elaborat der Steuergemeinde NETTINGSDORF
Die Gemeinde Nettingsdorf liegt im nördlichen Teile des Traunkreises am rechten Traunufer und ist von Ebelsberg 1 ½ Meilen südlich entfernt.
Ihre Lage bildet zunächst dem Kremsflusse eine vertiefte Ebene, der größere Teil aber Hügelland mit ziemlich steilen Abhängen.
Das Klima ist mild und dem Fruchtbau zusagend.
Das ganze Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 891 Joch 647 Quadratklafter.
Der Ort Nettingsdorf mit 26 Häusern, welche meist zusammengebaut sind, befindet sich am Fuße der Anhöhe, und deren Kulturen auch in geschlossenen Rieden, dagegen enthält Moos 21 auf der Anhöhe zerstreute Besitzungen, deren Gründe einzeln unter sich arrondiert zunächst der Gebäude liegen. Die größte Entfernung der Gründe von den Häusern beträgt nicht über ¼ Meile.
Im allgemeinen befindet sich zunächst den Gebäuden das Gartenland, dann folgen Äcker auf den Anhöhen und verschiedenen Abdachungen, auch zum Teil in der Vertiefung, wo das Wiesland in der Ebene konzentriert vorkommt.
Die Wälder erscheinen auch zum Teil unten, jedoch die meisten auf der Anhöhe mit steilen Abhängen.
Hutweiden und Wiesen mit Obstbäumen sind schmale Raine und Gestetten und erscheinen daher zwischen den übrigen Kulturen in allen Teilen der Gemeinde.
Bezirks-und Ortsobrigkeit ist die Herrschaft Ebelsberg.
Landgericht: Die Herrschaft Florian und Weissenberg
Pfarre und Schule sind jene zu Ansfelden.

Bevölkerung:
Nach den Konskriptions Summarien vom Jahre 1834 befinden sich in der Gemeinde
134 männliche
164 weibliche
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Zusammen 307 Seelen.
Diese bewohnen 47 Häuser und bilden 73 Wohnparteien.

Hiervon beschäftigen sich
mit Landwirtschaft 41
mit Gewerben 9
mit beiden zugleich 1
mit verschiedenen Verrichtungen
gegen Taglohn 22

Nahrung:
Die gewöhnliche Nahrung besteht hier:
Früh in Milchspeisen mit Korn- und Gerstenbrot.
Mittag wechselweise in Mehl- und Fleischspeisen, hiezu Kartoffeln, Sauerkraut und Rüben.
Abends Mehl- und Milchspeisen.
Außer diesem findet täglich einmal- bei Erntearbeiten, im Sommer aber zweimal eine Jause statt, die in Kornbrot und Most besteht.

Bei den größeren Besitzungen werden 4 männliche und 3 weibliche Dienstboten gehalten.

Viehstand:
Pferde 56
Ochsen 5
Kühe 150
Jungvieh 46
Ziegenvieh 2
Schafe 154
Schweine 148

Die Pferde sind vom starken, teils Pinzgauer- meist aber Obersteirer und Kärntner Schlage, und werden vor dem 2.Altersjahr aus dortigen Gegenden bezogen.

Die Ochsen sind von kräftigem Landschlage mit verschiedenen Farben, diese werden bei Hause nachgezogen.

Die Schafe gehören zur gemeinen Rasse, die Schweine hingegen zur hohen und gestreckten Landgattung. Beide werden in eigener Nachzucht fortgepflanzt.

Die Pferde werden mit Hafer, Häckerling von Klee und Weizenstroh, dann Heu und Rauhfutter genährt, und bloß im ländlichen Betriebe abgenützt.

Die Ochsen erhalten nur bei schwerer Arbeit Hafer, sonst immer Häckerling von Klee, Heu und Weizenstroh. Sie werden gleich den Pferden bei der Landwirtschaft benützt, im 6 oder 7jährigen Alter gemästet und an Fleischer verkauft.

Die Kühe und das Jungvieh werden das ganze Jahr im Stalle, und zwar im Sommer mit grünem Klee oder Gras, im Winter aber durch Häckerling von Klee- und Wiesen-Grumet, mit Sommerstroh vermengt, gefüttert. Die Kühe werden bloß des Milchnutzens wegen gehalten, jedoch wenig von diesen Erzeugnissen verkauft, sondern das meiste bei Hause für eigene Konsumation verwendet. Die älteren oder sonst unträchtigen Kühe werden gemästet, dann für eigenen Bedarf geschlachtet, oder zur Schlachtbank verkauft; ihre Stellen werden gewöhnlich durch trächtige Kalbinnen aus der Nachzucht besetzt. Die Kälber werden zum Teil für die Nachzucht gespennt, die meisten jedoch an Fleischer abgesetzt.

Die Schafe werden im Sommer meist durch Beweidung der Stoppel- und Brachfelder, dann der hiebei vorkommenden Hutweiden und Wiesen mit Obstbäumen, im Winter aber durch Stroh und Dreschabfälle genährt. Sie werden sowohl des Fleisches als auch der Felle und Wolle wegen gehalten, weil dieses Gegenstände des häuslichen Bedarfes sind, daher sie auch meist bei Hause geschlachtet, die Lämmer aber zur Nachzucht behalten werden.

Die Schweine werden durch grüne Kleehäcksel, Kartoffel sowie mit den geringeren Körner- und Mehlgattungen genährt, in verschiedenem Alter gemästet, und für eigene Konsumation geschlachtet, die Jungen aber für die Nachzucht gespennt.

Bei größeren Wirtschaften besteht der gewöhnliche Viehstand in
4 Pferden
10 Kühen
6 Stück Jungvieh
12 Schafen
14 Schweinen.

Federviehzucht kommt außer den Haushühnern und einigen Gänsen und Enten nicht vor.

Flüsse und Bäche
An der westlichen Grenze kommt aus der Gemeinde Nöstlbach der Kremsbach und fließt in nördlicher Richtung in die Gemeinde Kremsdorf. Er dient nicht zur Wiesenbewässerung, sondern sendet nur einen Arm durch die hiesige Fläche, welcher eine Mühle betreibt. Bei seinen periodischen Austritten überschwemmt dieser Fluß einen großen Teil der hiesigen Äcker und Wiesen.
Ein kleiner Bach kommt vom Süden aus der Gemeinde Nöstlbach, wovon ein Teil der hiesigen Wiesen ohne kostspieliger Vorrichtung zweckmäßig bewässert wird und welcher sodann sich bei der sogenannten Stegmühle mit dem obenberührten Kremsfluß verbindet.

Straßen und Wege
Diese Gemeinde ist ganz ohne Straße, die Verbindung der verschieden entlegenen Besitzungen unter sich und mit jenen der Nachbargemeinde ist daher durch die sogenannten Gerechtswege hergestellt, deren Erhaltung die Anrainer besorgen. Sie sind großteils schlecht fahrbar. Über den Kremsfluß führt eine hölzerne Brücke mit 5 Jochen.

Marktplatz
Der auf diese Gemeinde vorzüglich Einfluß habende Marktort, nach welchen sich die hier beobachteten Preise regulieren, ist die Stadt Wels, wo alle Samstag Wochenmarkt abgehalten wird, der Weg dahin ist gut und beträgt 3 ¼ Meilen.

Der verhängnisvolle Jägerscherz
Am 1. Juni 1907 wurde in der Fabriks-Restauration in Nettingsdorf der junge Freidhofer, Johann Plass, von seinem Jagdfreund Johann Schmiedberger, Hausbesitzer in Kremsdorf, durch einen Scherz erschossen. Von der Jagd heimkehrend hatte Schmiedberger sein Gewehr im Gastlokal aufgehängt und war nach Linz gefahren. Plaß kam am Nachmittag dorthin und steckte zum Spott ein Stück von einem Brot-Kipfel auf den Gewehrlauf. Später begab sich Plaß nochmals in die Restauration, um die Wirkung seines Einfalles zu sehen und um seinen Freund zu hänseln. Bei seinem Eintritt hatte Schmiedberger- auch im Übermut- das Gewehr von der Wand genommen und auf den Urheber des Ulkes angeschlagen. Im selben Augenblick sank Freidhofer auch schon zu Tode in die Brust getroffen zu Boden. Das Gewehr war nicht entladen gewesen. Freidhofer war 32 Jahre alt und zwei Jahre verheiratet. (Ansfeldner Buch Bd.2,S 70)

Am 24. Jänner 1911 schloß die Witwe Maria Plaß, geb. Rubenzucker, die Ehe mit Karl Zittmayr, Besitzer des Wilhelmgutes zu Moos Nr. 29 in Enns. Karl Zittmayr ist im Trauungsbuch bereits als Mitbesitzer am Freidhofergute eingetragen und umgekehrt Maria Plaß als Mitbesitzerin am Wilhelmgute in Moos 29 in Enns.

Karl Zittmayr starb am 28. Juli 1943 an „Magenkrebs“ (Totb.VIII,S 78)
Und Maria Zittmnayr starb am 5. April 1944 an „Herzlähmung“ (Totb.VIII,S 82)

Am 3. Juli 1945 schloß die Besitzerin des Freidhofergutes Anna Plaß die Ehe mit Wilhelm Ömer. Wilhelm Ömer war ein Besitzerssohn von Winkling Nr. 30, Pfarre Dietach, geb. am 31. 5. 1915 in Dietach, ehel. Sohn des Ignaz Ömer, Besitzer des Polzgutes in Winkling Nr. 30, Pfarre Dietach und der Anna geb. Plaß.

Vom Augebiet an der Traun wird gelegentlich in Ansfeldner Chroniken von großen Wildschäden in Zeiten von Hochwasser berichtet. Aus dem Jahre 1929 berichtet der Jäger dem Expositus J. Schmid von Berg in seiner Chronik, dass in diesem überaus strengen Winter viel Wild, auch viele Rehe durch die Kälte eingegangen sind. In derselben Chronik, geschrieben vom Nachfolger von J. Schmid, ist aus dem Jahre 1948 der folgende Bericht erhalten: „Weidmanns Glück. Der Freidhofer in Nettingsdorf, Wilhelm Ömer, erlegte am 6. Dezember bei einer Jagd im Puckinger Revier ein ca. 50 kg schweres Wildschwein, das am Sonntag darauf im Gasthause Grafinger verzehrt wurde.

Am 29. September 1952 wurde dem Ehepaar Wilhelm und Anna Ömer am Freidhofergut ein Karl geboren.

Am 16. Oktober 1976 starb die Besitzerin des Freidhofergutes Anna Ömer. Der Sohn Karl übernahm nach ihrem Tod das Freidhofergut.

Am 12.  April 1986 schloß der Besitzer des Freidhofergutes Karl Ömer die Ehe mit der am 12. 7. 1957 in Ansfelden geborenen Margit Wolff.