Hausgeschichte des Maissergutes in Fürhappen
Zu den Quellen dieser Hausgeschichte
Für den Rückblick in frühere Jahrhunderte des Maissergutes boten sich eine
Reihe von Quellen an: Schriften im Besitze des Gutes selber, Material aus
dem Landesarchiv, dem Grundbuch und schließlich die Pfarrmatriken von
Ansfelden.
Das Maissergut und als Grundherren die Herren auf Schloß Gschwendt
Bis zum Jahre 1850 war das Maissergut in Ansfelden sehr eng mit den Herren
auf Schloß Gschwendt verbunden. Die Herren von Gschwendt waren also die
eigentlichen Inhaber des Maissergutes. Das heißt die Landwirte am
Maissergut waren bis zur Bauernbefreiung im Jahre 1848 bzw. bis zu deren
Durchführung bis etwa 1850 Untertanen der Herren von Gschwendt. Das Schloß
Gschwendt lag in der Gemeinde Neuhofen a. d. Krems. Heute sind nur mehr
Teile davon erhalten. Die Herren, denen die Besitzer am Maissergut durch
Jahrhunderte mit Naturalabgaben, mit Robot und Geldleistungen zu dienen
hatten, waren als Besitzer von Schloß Gschwendt zunächst die Herren von
Volkersdorf, dann die Herren von Losenstein und schließlich die Herren von
Auersperg.
1569 - Die ersten Besitzer am Maissergut
Durch die Aufzeichnungen der Herrschaft Gschwendt im Urbar aus dem Jahre
1569 erfahren wir die ersten namentlich bekannten Besitzer vom Maissergut.
Das bedeutet zwar eine erstmalige Nennung des Gutes, es heißt aber bei
weitem nicht, dass es damit erst zu existieren begonnen hat. Aus der
gesamten Entwicklung, wie die bäuerlichen Güter hier entstanden sind, ist
mit Sicherheit anzunehmen, dass das Maissergut viele Jahrhunderte älter
ist, nur sind viele schriftliche Aufzeichnungen über das Gut verloren
gegangen bzw. nicht aufgefunden worden.
Grundtpuech der Herrschaft Gschwendt
Was ein jeder Unterthan berührter Herrschaft Gschwendt für Gerechtigkeit
auf seinem Gut hat, auch wie viel er jährlich davon zu dienen und zu
reichen schuldig.
1492-1573
Das Verzeichnis aller Ämter ist hier angeführt, die alle Güter zu
verwalten hatten, die zur Herrschaft Gschwendt gehörten. Bei jedem Amt
steht die Anzahl der Güter dabei, die vom einzelnen Amt zu verwalten
waren. Es handelte sich zusammen um 1424 Güter in ganz Oberösterreich. Für
den Ansfeldner Bereich war das Amt Nettingsdorf zuständig. Hier ist ein
erster Name eines Besitzers vom Maissergut aus dem Jahre 1569 zu erfahren.
Ein Stephan ist als Besitzer im Jahre 1569 genannt. Es war damals vielfach
üblich, dass nur der Taufname und der Hausname vermerkt wurden.
Die Abschrift lautet:
Steffan Maisser
Ich, Diethmar Herr zu Losenstein etc. bekann, das Ich sondern Genaden
recht und redlich durch ...... Erblichen verlassen mein aigen Gut bei
Annsfelden gelegen in Annsfeldner Pfarr, wo das mit March, Rein und Stein
umbfangen, welches mir mit Dienst und aller Obrigkeit zurgehörig und
unterworfen ist, dem Erbaren Steffan Maisser, seiner Hausfrauen, allen
jenen Erben und Nachkommen jährlich zu unserer lieben Frauen Tag der
Dienstzeit reichen und dienen sollen vier Schilling acht und zwanzig
Pfennig, ein Gans, zwen Metzen und ein Viertl Weizen, fünfzehn Metzen Korn
und einundzwanzig ½ Metzen Habern, Sonst sollen sie auch mit Roboten,
Steurern, Stiften,.....und aller Herren Forderung wie andere Untersassen
getreu etc.sein. Beschehen am Montag nach Marie Geburt 1569.
In diesem Schriftstück ist schon zu erfahren, welche Abgaben damals und
schon längst vom Maissergut an die Herrschaft Gschwendt zu leisten waren.
Die Lieferungen an die Küche des Schlosses Gschwendt
An sich waren an die Herrschaftsküchen ursprünglich viele Naturalien zu
liefern. Für das Maissergut scheint jedoch lediglich eine diesbezügliche
Abgabe 1662 auf:
Paull Herz vom Maisser Gurt
Es ist dem Maisser 1 Gans im Wert von 2 Schillingpfennig und 20 Pfennig
vorgeschrieben.
An Getreide: Weizen 2 Metzen 1 Viertel
Korn 15 Metzen
Hafer 21 Metzen 2 Viertel
1650 Trauung Paul Hertz
Im Trauungsbuch der Pfarre Ansfelden ist folgende Trauung eingetragen:
Am 4.Februar 1650 wurden hier getraut Paul Hertz, Hansens Hertzens und
seiner Frau Anna Sohn zu Kremsdorf mit Margaretha Maiserin, des
verstorbenen Christophen Maissers Witwe.
Der oben im Urbar genannte Paul Hertz war also Besitzer am Maissergut
geworden, weil er die Witwe des Vorbesitzers geheiratet hatte.
1686 Trauung Gabriel Reisinger und Salome
Mit der Matrikeneintragung aus dem Jahre 1686 setzen sich die
Besitzernamen des Maissergutes fort.
In den Pfarrmatriken Ansfelden erscheint am 22.August 1686 die folgende
Eintragung:
Getraut wurden in Hörsching, die 3 mal verkündigt wurden:
Der Bräutigam Gabriel, Sohn des Simon Reisinger auf dem Ehrmayrgut zu
Holzhausner Pfarre und der Rosina, dessen Frau, beide (Elternteile)
verstorben, er ist der neue Besitzer des Maissergutes in Ansfeldner Pfarr
mit der Braut Salome, Tochter des Johann Laimbgrubers, auf dem
Jählermayrhaus und der Maria, dessen Eheweibs, auch beide (Elternteile)
verstorben, sie (die Braut) war bis jetzt im Dienst bei Paulus Hödl auf
dem Hörschingergut zu Hörsching.
Wie dieser Gabriel Reisinger in den Besitz des Maissergutes gelangt ist,
lässt sich nicht mehr feststellen, da die entsprechenden Protokollbücher
der Herrschaft Gschwendt nicht zu finden sind.
1701 Gabriel Reisinger gestorben
Am 15.August 1701 wurde Gabriel Reisinger, Besitzer des Maysergurts
begraben. Er war circa 54 Jahre alt, wurde versehen und gesalbt, so lautet
der Text in der Pfarrmatrik.
1701 Trauung Simon Wimber mit Salome Reisinger
Diese Eintragung im Trauungsbuch Ansfelden vom November 1701 lautet:
Den 22. dieses Monats sind von Kooperator Erasmus Haas getraut worden der
Bräutigam Simon des Nicolaus Wimbers, Inwohner auf dem hiesigen Wimbergut
noch am Leben und Margarita, Ehegattin desselben, schon verstorben,
ehelicher Sohn, derselben war zu Zeit bei dem Niederödlinger in Diensten
mit seiner Braut Salome Witwe nach dem verstorbenen Gabriel Reisinger,
einst Besitzer des Maissergutes.
Trauzeugen waren: Laurentius Wimber, Piertrager zu Lintz und Mathias
Haratzmüllner, Besitzer der Pfistermühle.
1733 Salome Wimber gestorben
Im Totenbuch der Pfarre Ansfelden ist am 5. Febuar 1733 folgende
Eintragung zu finden: Salome ist begraben worden die Ehegattin des Simon
Wimber, Besitzer des Maysergutes im Alter von 85 Jahren versehen mit den
Sterbesakramenten.
1733 Ehe Simon Wimmer-Sophia Heustrasser
Im Trauungsbuch Ansfelden ist folgende Trauungseintragung enthalten:
Am 28.April 1733 ist getraut worden das Paar:
Bräutigam: Simon Wimber, Besitzer des Meysergutes mit der Braut: Sophia,
Tochter des Thomas Heystrasser, einst Besitzer des Grübl Gütls nebst
dem Ziehberg und seiner Frau Barbara, beim Unterwirt allhier in Diensten,
beide aus hiesiger Pfarre.
Getraut hat sie Kooperator Philip Schoiber.
Trauzeugen waren Valentin Pirser, Schuster und Besitzer des Häusls beim
Bach und Johannes Paurnberger, Besitzer des Lehnergutes auf der Haid.
Die Theresianische Fassion
Die österreichische Herrscherin Maria Theresia ließ 1748 eine
Grundlagenerhebung für die Steuerbemessung durchführen. Diese Erhebung
wurde von den einzelnen Grundherrschaften durchgeführt. Sie sind innerhalb
jeder Grundherrschaft in dem Gültenbuch, auch Theresianische Fassion
genannt, für jedes einzelne Gut zusammengefasst. 1749/50 wurde das
Gültenbuch „rektifiziert“, d.h. überprüft und in Kraft gesetzt. Von jeder
Grundherrschaft liegen diese „Gültenbücher“ im Landesarchiv.
Als Grundherrschaft des „Maissergutes“ hat das Amt Nettingsdorf der
Herrschaft Gschwendt die Niederschriften über dieses Gut in dieser Fassion
festgehalten.
Besonders die hier angeführten sehr niedrigen Getreideangaben lassen
erkennen, dass die Herrschaft bei dieser Fassionsaufnahme bemüht war,
möglichst geringe Angaben zu machen, da auf der Grundlage der Angaben über
die Erträge der Untertanen auch die Abgaben der Herrschaft an den Staat
berechnet wurden. Spätere Aufzeichnungen über die Getreideerträge zeichnen
ein anderes Bild.
Den obigen Aufzeichnungen nach hätte man beim Maisser damals nur 1 Metzen
und 8 Maßl Weizen angebaut und nur 5 Metzen Weizen in mittleren Jahren
geerntet. Beim Korn heißt es, dass 12 Metzen gesät und 36 Metzen geerntet
wurden. Beim Hafer sind 10 Metzen Aussaat und 25 Metzen Haferernte
angeführt. Eine nach heutigen Begriffen nicht verständliche Frucht waren
damals die Wicken. Davon sind 4 Metzen für die Aussaat und 12 Metzen an
Ernte angegeben. Beim Haar hat man an Körnern fast dasselbe geerntet als
angesät wurde, nämlich 8 Maßl. Bei dieser Frucht ging es ja mehr um den
Flachs als um das Stroh, das eine vielfache Verwendung fand.
Es ist sicher passend, hier ein wenig auf die Arbeit mit Flachs
einzugehen. Es war früher der Stolz einer jeden Bäuerin, mehrere Ballen
Leinwand in der „Truha“ oder im Kasten verwahrt zu haben. Bis aber aus dem
Flachs mit seinen blauen Blüten die Leinwand fertig im Kasten lag, gab es
viel Arbeit. Ein alter Spruch besagt: „Der Hoar muaß zwölfmal in d´Händ
gnuma werden.“ Vom „Hoarfanga“ ( aus der Erde ziehen) über das „Hoar
Riffeln“ (eine Art Auskämmen, wobei die Samenkapseln absprangen), das „Hoar
Brechln“, wobei durch die „Brechl“ aus den Flachsfasern die holzigen Teile
entfernt werden, dann durch das „Hoar Hacheln“ werden letzte Unreinheiten
aus dem Flachs entfernt, der gehachelte Hoar gibt das „Werch“, das am
Spinnrocken gesponnen wird, der gesponnene Faden führt schließlich zur
Leinwand, die aber noch weiterer ausgiebiger Behandlung bedarf, bis sie
gebleicht ihr weiteres Aussehen erlangt.
Zur „Brechl“. Die „Brechl“ war ähnlich einer Art einen Meter langes
Holzmesser. Auf einem Gestell wurde ein dünnes, messerähnliches Brett
zwischen zwei feststehenden ebenso dünnen Brettern hineingedrückt, wie
wenn man ein Taschenmesser zuklappt. Beim Zuklappen wurden die
Flachsbüschl zwischen den beiden feststehenden Brettern eingeklemmt, wobei
die holzigen Teile des Flachses absprangen.
Die „Hoar Hachl“ war auf einem Bock angebracht. Sie bestand aus einem
Brett mit vielen eisernen Stachelbündeln, durch die der Flachs gezogen und
von vielen Unreinigkeiten befreit wurde. Der Haar-Anbau weist darauf hin,
dass damals beim Maisser die Arbeit mit Flachs bis zur fertigen Leinwand
betrieben worden war.
Obwohl in Inventaren beim Maisser oft von Pferden die Rede ist, weist hier
diese Fassion aus, dass man um 1750 mit 2 Ochsen die Acker- und
Fuhrwerksarbeit betrieben hat. Die Angabe von 2 Kühen entspricht kaum den
tatsächlichen Verhältnissen, ebenso ist anzunehmen, dass mehr als 3 Schafe
die Stoppelfelder usw. beweidet haben. Völlig unglaubwürdig ist, dass nur
ein Schwein im Stall gewesen sein soll.
Auffallend ist in dieser Niederschrift über die Aufnahme der
Theresianischen Fassion beim Maisser noch, dass am Formular bei der Frage
nach wieviel „Emmer Most“ nur 3 Eimer Most eingetragen sind. Im Inventar
aus dem Jahre 1733 ist von 28 „Läre Vaß“ die Rede. Das deutet jedenfalls
darauf hin, dass im Allgemeinen sicher öfter mehr als 3 Eimer Most
gepresst worden sind. Bestimmt gab es schon damals eine große Anzahl
Mostobstbäume-
Die Abgaben, die das Maissergut damals an die Herrschaft zu leisten hatte:
Rüstgeld, das 4 bis 6 mal im Jahr mit 2 Gulden und 30 Kreuzer zu leisten
war.
Dienst 12 ½ Kreuzer
Landsteuer 2 Gulden 30 Kreuzer
Viehsteuer 25 Kreuzer
Kuchldienst 20 Kreuzer
Robotgeld 1 Gulden 30 Kreuzer. Das bedeutet, dass keine händische Robot
bei der Herrschaft geleistet werden musste. Sie wurde mit diesem Betrag
abgegolten. Nicht jeder Bauer war in dieser doch besseren Lage. Die Robot
musste nämlich vielfach in der Erntezeit bei den Herrschaften geleistet
werden, zu einer Zeit, da man die Arbeitskräfte in der eigenen Wirtschaft
am nötigsten hatte.
Die weitere Abgabe war das Spunstgeld mit 8 Kreuzer. Auch das ist noch ein
Ersatz gegen die Arbeit mit dem Spinnrocken bei der Herrschaft.
Was mit dem zuletzt angeführten „Täd Geld“ abzuleisten war, ist unbekannt.
Zuletzt sind die Getreideabgaben an die Herrschaft angegeben ( was nichts
mit dem Zehent zu tun hat).
Beim Maisser musste man außer dem Getreidezehent an den Pfarrer von
Ansfelden auch an die Grundherrschaft in Gschwendt die hier genannten
Getreidemengen abliefern:
15 Metzen Korn
2 Metzen und 4 Maßl Weizen
21 Metzen und 8 Maßl Hafer
Die Josephinische Fassion

Nachdem schon Maria Theresia um 1750 eine Grundlagen-Erhebung zur
Steuerbemessung hatte durchführen lassen, ordnete Kaiser Joseph II.
neuerlich eine solche Erhebung mit wesentlich anderen Voraussetzungen an
und ließ sie von 1785 bis 1788 durchführen.
Die Aufzeichnungen sind nach „Gemeinden“ (= heute Katastralgemeinden)
vorgenommen und notiert worden. So gibt es für jede Katastralgemeinde
dicke handgeschriebene Bände über diese umfangreichen Niederschriften zu
den einzelnen Häusern. Diese Bücher aus den oö. Gemeinden befinden sich im
oö. Landesarchiv.
Beschreibung der Gründe
Die Josephinische Fassion enthält eingangs eine sehr ausführliche
Beschreibung der Gründe in der ganzen KG Ansfelden. Ob die Gemeinde
fruchtbar, laimig, sandig , nassgallig oder wie sonst beschaffen sei.
In dieser großen Gemeinde kommen verschiedene Arten des Grundes vor, und
zwar:
1tens eine Stunde lang und ¼ breit nämlich von der Wambacher-Gemeinde bis
Kremsdorf ist der Grund schüttig,
2tens die Ansfeldner und Laher Felder, dann ein Teil von den, den
Freindorfer gehörigen Äckern bestehen aus einem schwarzen „Böchgrund“,
3tens diejenigen um den Bauern zu Hub, oder der Steinerberitenflur hat
einen brunnfüßig oder nassgalligen Grund, endlich den Vordermairbergern,
Vierhappern und Oberdorfer Bauern ihre bestehen teils aus nassgalligen,
meistens aber aus weißen und roten Laimgrund.
Ob in Überschwemmungen, öfteren Schauern, Reif oder Schneedruck ausgesetzt
ist?
Ein Teil der Laaher und Oberfeldflur, dann die ganze Schenter- und
Audorferflur unterliegen der Überschwemmung des Traun- und Kremsflusses.
Den Schauer betreffend: so haben sich die Gemeindevorsteher geäußert, dass
von selben die Gemeinde selten betroffen, auch soviel ihnen wissend,
bisher keinen beträchtlichen Schaden verursacht habe, desto mehr aber sind
an der Traun liegenden Äcker 1 Stunde lang und ¼ breite Strecke dem Reif
ausgesetzt. Dem Schneedruck sind die an Holz liegenden Äcker besonders die
Ansfeldner, Räter, Vierhapperfelder, Rieders Holzfeld und die an den
Vordermairberg von ihre Gärten anliegenden Äcker unterworfen.
Was für ein Wirtschaftskurs in der Gemeinde bestehe?
Die Feldäcker werden alle 3te Jahr gebracht; die eingefriedeten oder
einliegende Äcker aber werden teils alljährlich teils 6 Jahr nacheinander
wechselweise mit Winter- und Sommerfrucht bebaut und im 7ten Jahr
gebracht.
Ob hinreichend Dünger oder Mergel und Schlier in der Gemeinde vorhanden?
Schlier ist zwar in einigen Orten zur Notdurft vorhanden, doch wird selber
von den Bauern nicht stark mehr benützt, weil die Äcker ohnehin schon
stark überschliert sind, auch keinen Nutzen sich hiervon versprechen
können.
Ob der Viehstand daselbst beträchtlich und was für Gattung bestehe?
Da die Grundinhaber ohnehin sehr wenig Wiesen besitzen, auch in der
Gemeinde fast keine Hutweiden vorhanden sind, so ist der Viehstand gar
nicht beträchtlich. Der ganze Viehzügel erstreckt sich nur aus Rindvieh,
Schaf und Schweine, was sie nämlich in das Haus brauchen.
Ob dasige Landeskultur mit genugsamen Leuten versehen?
Hat dermalen keinen Mangel erlitten, doch ist selbe auch nicht mit
überschüssigen Dienstleuten und Tagwerkern versehen.
Von was für Nebenzweigen außer dem Grunderträgnis sich die Grundbesitzer
Nahrung und Gewinn verschaffen?
Außer den wenigen Most und Brandwein, dann Hanf, welches aber alles schon
zu Grunderträgnis gehört, sind für den Bauern keine anderen Erwerbszweige
vorhanden, einige wenige können sich nebst ihrer Grunderträgnis von ihren
besitzenden Gewerbe einen Gewinn verschaffen, und die Inwohner müssen sich
nur von ihrer Handarbeit ernähren.
Wieweit der Verschleißort entfernet, und was für wandelbare Straßen zu
passieren?
Der nächste Wochenmarkt, den diese Grundbesitzer befahren, ist 1 Stunde,
der Steyrer und Welser aber ist 5 Stunden, die Mühlen aber 1 ½ Stund
entfernt. Die Straßen sind an einigen Orten zwar schlecht, meistens aber
doch gut und wandelbar.
Durch was für Mittel die wahre Erkenntnis der Gründe erforschet,
kontrolliert und auf die gegenwärtige Stufe gesetzet worden?
Die Gemeinde ist von den ennserischen Überschätzern untersucht,
abgeschätzt und auf gegenwärtige Stufe gesetzet worden.
Das erste Grundbuch
Das grundherrschaftliche Grundbuch
Adam Forstner ist der erste Besitzer des Maissergutes, der im
grundherrschaftlichen Grundbuch eingetragen wurde.
Mit Patent vom 2. November 1792 war in Österreich ob der Enns das
Grundbuch eingeführt worden, das von jeder einzelnen Grundherrschaft
damals angelegt und geführt wurde.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Gütervererbungen und Güterverkäufe in den
sogenannten Protokollbüchern eingetragen. Das waren handschriftliche
Aufzeichnungen über die Übergabsverträge, Inventare, Auszugsbestimmungen
usw. Diese wurden dort aber in der Reihenfolge, wie sie in einem
Herrschaftsamt innerhalb eines Jahres anfielen, verzeichnet. Während im
Grundbuch nun für jedes Gut ein eigener Abschnitt für die laufenden
Besitzveränderungen vorgesehen wurde, worin jeweils nur für das
betreffende Gut die Besitzer etc. der Reihe nach eingetragen wurden.
Der Franziszeische Kataster auch Franziszeum genannt
Eine neuerliche Grundsteuerregulierung wurde mit Patent vom 23.Dezember
1817 durch Kaiser Franz für die ganze Monarchie veranlasst. Nach dem
Staatsbankrott von 1811 mußten die zerrütteten Finanzen wieder in Ordnung
gebracht werden. Um die Steuereinnahmen zu erhöhen, kam es zu dieser
Entscheidung. Um die Besteuerung neu zu ordnen, wurde die Nutzung von
Grund und Boden und die Nutzung von Gebäuden noch umfangreicher als 1787
in der Josephinischen Fassion erhoben.
Im Zusammenhang mit diesen Erhebungen wurden von Geometern die
Grundparzellen genau vermessen, mit den Nummern versehen und Pläne im
Maßstab 1:2880 erstellt. Sowohl die Protokolle über die ermittelten Daten
als auch die Pläne sind nach Katastralgemeinden durchgeführt und geordnet
worden.
Auch in diesen Protokollen zeigt sich wieder die präzise Ermittlung. Die
Preise des Jahres 1824 bildeten die Ausgangslage, nach der die Preise in
den 30iger Jahren festgelegt wurden. Da es schließlich um die Festlegung
des Reinertrages ging, waren die bäuerlichen Vertreter in der Kommission
natürlich bemüht, ihre Produktpreise in dieser Bewertung nicht zu hoch
ansetzen zu lassen. Allerdings fanden ihre Einwände nicht immer Gehör. Die
Beamten, die für eine möglichst hohe Bewertung eintraten, fanden meistens
eine durchschlagendere Begründung als die bäuerlichen Vertreter.
Immerhin war es aber ein großer Fortschritt, dass in diesem ganzen
Verfahren die bäuerlichen Vertreter voll eingebunden waren. Die dann im
Protokoll namentlich genanten Vertreter hatten die folgenden Güter inne:
Der Gemeinde Richter Joseph Huber: Gstöttner in Ansfelden
Georg Sallmann: Birser in Ansfelden
Georg Ebmer: Mayrhans am Vordermayrberg
Georg Huber: Allbauer in Ansfelden
Joseph Pleiner: Rieder zu Ried
Johann Wismayr: Hofler in Audorf
Joseph Grundner: Allbauer in Freindorf
Ein freier Bauer
Es gab in unserem Raum nur wenige freie Bauern, jeder Bauer war einem
adeligen oder kirchlichen Herrn untertan.
Als im März 1848 die Revolution ausbrach, haben an vielen Orten die Bauern
die Leistung der Abgaben an die Grundherrschaften verweigert. Am 26.Juli
1848 brachte der Abgeordnete Hans Kudlich im Reichstag einen Antrag zwecks
Aufhebung der bäuerlich- grundherrlichen Untertänigkeitsverhältnisse ein.
Am 7.September 1848 unterzeichnete Kaiser Ferdinand I. das Patent über die
Aufhebung der „Untertänigkeit“. In den darauffolgenden Jahren wurden die
Gesetze über die „Ablöse“ beschlossen, die zum freien Bauern führten.
Für jedes Gut wurde entsprechend den bisherigen Verpflichtungen an den
Grundherrn eine Ablösesumme festgelegt. Ein Drittel dieser Summe leistete
der Staat, auf ein Drittel musste der Grundherr verzichten und ein Drittel
hatte der jeweilige Bauer zu zahlen. Wenn der Bauer die entsprechenden
Beträge bezahlt hatte, wurde dies im Grundbuch vermerkt. Mit diesem
Zeitpunkt war er ein freier Bauer. Für viele Bauern, besonders in
wirtschaftlich schlechter gestellten Gebieten, zog sich die Abzahlung des
Ablösebetrages lange dahin.
Die Steuern und Abgaben gingen von da an unmittelbar an die staatlichen
Behörden bzw. an die „Kaiserlich Königlichen“ Ämter. Für die Verwaltung
wurden die Gemeinde- und Bezirksämter geschaffen. Für die Errichtung der
Gemeinden wurden zu allermeist die bis dahin bestehenden Pfarrgrenzen als
Anhaltspunkt genommen. Es kam zur Wahl erster Bürgermeister. Auch die
Gerichtsbarkeit ging von den Grundherren auf die Bezirksgerichte über.
1920 Ansfeldner Holzversicherung
Wie 1903 durch den Deckschaubverein für Stroh beim Fall eines
Brandunglücks vorgesorgt wurde, wurde nun für nötiges Holz gesorgt.
Johann Jungmayr vom Maissergut schloß sich 1920 dem neu gegründeten
„Vereinbarungsvertrag“ an, der sich zum Ziel setzte, Abbrändlern mit einer
gewissen Holzlieferung zu unterstützen. Das Maissergut war damit
versichert mit etwa 6 bis 7 Kubikmeter Bauholz. 10 stärkeren „Läden“
(Pfosten) und 30 dünneren Läden. Später trat Jungmayr aus dem Vertrag aus,
wann ist nicht vermerkt.

Fam. Jungmayr im Jahre 1926
(zum Vergrößern
bitte Bild anklicken)
Aus der Wirtschaftsentwicklung
Ein Haupterwerbszweig war seit Jahrhunderten der Getreideanbau. Der Absatz
des Getreides erfolgte früher über einen Landesproduktenhändler, der das
Getreide an die hiesigen Müller lieferte. Früher bestand neben der
„Scharmühle“ noch die „Planermühle“. Abgerechnet wurde nicht mit dem
Müller sondern mit dem Händler.
Seit etwa 1945 hat sich im Getreidebau in der Ertragsentwicklung und auch
in der Getreideernte ein großer Wandel vollzogen. Der Vorbesitzer am
Maissergut kennt noch die Aussaat mit der Hand. Der Sämann hatte einen
länglichen Korb („Sassumper“) mit dem Getreide umgehängt, so schritt er
den Samen säend über das Feld.
Der Getreideschnitt erfolgte teils mit der Sichel und teils mit der Sense.
Für die Trocknung des Getreides am Feld wurden Korn und Weizen zu Garben
gebunden und zu „Mandeln“ aufgestellt. Hafer und Gerste wurden am Boden
der Sonne zur Trocknung überlassen.
Nach entsprechender Trocknung wurde das Getreide in die Scheune
eingebracht und dort bis zum Dreschen gelagert. Gedroschen wurde früher
mit der „Drischel“ in den Wintermonaten. Seit den letzten Jahrzehnten des
19.Jahrhunderts gab es die Dreschmaschine. Inhaber einer Dreschmaschine
fuhren von einem Bauern zum anderen, um den Getreidedrusch zu
bewerkstelligen.
Für den Getreidearbeit war sowohl für die Ernte wie auch für die
Druscharbeit viel Personal nötig.
Die händische Getreidearbeit sowohl am Feld wie in der Scheune war am
Maissergut zu Ende, als im Jahre 1956 ein Selbstfahrer- Mähdrescher mit
Strohpresse erworben wurde. Anfang der Neunziger Jahre wurde der
Mähdrescher verkauft. Die Druscharbeit wird seither vergeben.
Die Mosterzeugung
Die Obstverwertung geht wie die Erzeugung der anderen landwirtschaftlichen
Produkte weit in die Jahrhunderte zurück.
Das Inventar aus dem Jahre 1733 weiß von „28 Emmer lääre Mostvaß“ und von
„2Preß“ und der „Obstpreß samt Grander“.
Das Inventar vom Jahre 1777 führt „40 Emmer Lähre Most-Vaaß“ an.
Im Jahre 1801 sind schon „80 Eimer Faß“ genannt.
Schon damals war also eine Zunahme der Mosterzeugung zu verzeichnen. Eine
weitere Steigerung ist beim Maisser erfolgt. So erzählt der Vorbesitzer
vom Mostverkauf der Eltern. 200 bis 300 Eimer wurden damals an Wirte auch
in Linz verkauft. Er erinnert sich noch an den Mostverkauf an die „3
Mohren“ in Linz. Auch unter seiner Zeit wurde noch Most verkauft. Große
Fässer, bis zu 10Eimer, wurden mit einem Seil aus dem Keller
herauftransportiert und auf den Pferdewagen verladen.
Die leeren Fässer wurden nach sorgfältiger Reinigung im Freien gut für die
Wiederverwertung durchgetrocknet.

Für die Herstellung war der „Fassbinder“ zuständig und ausgebildet. Das
Eichenholz durchlief bis zum fertigen Faß viele Arbeitsgänge.
Bindermeister Wolfsjäger verrichtete beim Maisser diese Arbeit. Erzählt
wird dazu, dass ungefähr alle zwei Jahre eine Eiche geschlägert wurde. Das
Eichenholz wurde zunächst dafür entsprechend gespalten und zugerichtet. In
den „Taufelkästen“ wurde das für die Fässer vorgesehene Holz zum Trocknen
aufgeschlichtet.

Vom Sammeln des Obstes bis zum fertigen, aus gegorenen Most im Keller gab
es viele Arbeitsschritte. Die wichtigsten waren das Herstellen der
Maische, das Pressen, das Befüllen der Fässer und die Betreuung des
gärenden Mostes. Für die Herstellung der Maische stand im Presshaus des
Maisserhauses die Obstreibe. In einem steinernen runden Trog wurde mit dem
vom Pferd gezogenen „Walzl“ das Obst zu Maische verrieben.

Später gab es
dafür die Obstmühle. Die Maische kam in die Presse, die im Presshaus neben
der Reibe bzw. neben der Obstmühle stand. Beim Maisser wurde im Jahre 1953
eine hydraulische Presse angeschafft. Mit der Füllung der Fässer mit dem
frischen Most begann die Pflege des nach einiger Zeit gärenden Mostes.
Seit einigen Jahren stellt der Most beim Maisser kein Verkaufsprodukt mehr
dar. Es wird nur mehr für den Haustrunk Most erzeugt.
Das Arbeitspersonal
Ein erster Hinweis auf Dienstboten ist zu finden im Pfarrbuch 1877. So ein
Pfarrbuch über alle Häuser und Personen der Pfarre musste damals jedes
Jahr angelegt werden. Über das Maisser ist im genannten Jahr folgendes
eingetragen:
Haus Ortschaft Fürhappen
Ignaz Zehetner, Besitzer, Bauer geb. Ansfelden 1847
Nr.4 Ehefrau Anna geb.Jungmair geb.Alkofen 1850
Vater Andreas Zehetner Auszügler geb.Ansfelden 1806
Maißer Knecht Martin Traunmüller geb. Steir 1850 Dienstmagd Maria Ecker
geb. Egerding 1855
„ Theresia Spießberger geb. Gmunden 1860
Nach Angaben der Vorbesitzer gab es zur Zeit der Eltern 1 Knecht , 1 Magd
und1 Küchenmädchen.
Zur Getreidearbeit am Feld wurden die „Häuslleute“ herangezogen. Bei der
Arbeit mit der Dreschmaschine, bei der viel Personal nötig war, mussten
jene Familien aus der Umgebung helfen, an die 10-15 Äcker vergeben waren,
die sie mit Kartoffeln und Gemüse bepflanzen konnten.
Manche Arbeit an der Dreschmaschine war nicht nur stark, oft gab es auch
viel Staub. Die stärkste Arbeit war das Wegtragen der schweren
Getreidesäcke. Dafür war über den Hof eine Art Brücke angelegt zur
Hoftüre. Von dort ging es über die Stiege in das obere Stockwerk in den
Getreidespeicher. Nicht minder anstrengend war das Aufgeben der rechts und
links der Tenne gelagerten Garben. Dort bereiteten einige Personen die
Garben usw. für die Maschine vor und übergaben sie dem „Einlasser“. Einige
Personen mussten am rückwärtigen Ende der Maschine für das Binden des
ausgeworfenen Strohs sorgen. Eine mehr lästige als starke Arbeit war das
Wegtragen der kleinen Getreideabfälle, der „Gradn“ von Korn, Weizen und
Gerste. Die Abfälle von Hafer waren wenigstens nicht stechend. Der
Mähdrescher brachte für die Getreidearbeit eine vielfache Entlastung.
Die Zugtiere
Im Inventar aus dem Jahre 1733 sind „3 schlechte Rössl“ im Wert zusammen
mit dem Geschirr von 25 Gulden angeführt.
Bei dem Inventar im Jahre 1777 wurden 2 Pferde samt dem Geschirr“ mit 85
Gulden bewertet. Das waren wohl keine „schlechten Rössl“ mehr.
Nach dem Tod von Adam Forster wurden im Jahre 1801 die 2 Pferde samt dem
Geschirr auf 165 Gulden geschätzt.
Diese höhere Bewertung hing nicht nur mit einer allgemeinen
Preissteigerung zusammen. Sie weist vielmehr auch auf ein besseres
Wirtschaften hin.
Die Pferdehaltung wurde mit 2 Pferden fortgesetzt bis 1955 der Traktor die
Zugarbeit übernahm.
Pferdeknecht hatte man beim Maisser keinen. Franz Jungmair senior erzählt,
dass sowohl sein Vater und auch er sich die Pferdebetreuung selber
angelegen sein ließen.
Kühe
In den Inventaren 1733, 1777 und 1801 scheinen jeweils 3 Kühe auf. Die
Bewertung der 3 Kühe war 1733 39 Gulden, 1777 42 Gulden und 1801 105
Gulden.
Die Milchwirtschaft hatte sich in den letzten zweihundert Jahren weiter
entwickelt .
Zehn bis zwölf Kühe und einige Kalbinnen waren im Durchschnitt gehalten
worden. Dazu erzählt Franz Jungmair senior aus früheren Tagen. Unter
seinen Eltern war noch im Hause Butter und Topfen für den Eigenbedarf und
für den Verkauf erzeugt worden. Butter und Eier und manchmal auch Hennen
wurden der Fürkäuflerin Moser übergeben. Diese lieferte die Waren mit
einem Hundewagerl nach Linz, um sie dort am Markt zu vertreiben. Ab dem
Jahre 1938 mußte in die Molkerei geliefert werden. Dafür war bei der
Plassen-Kapelle ein Milchbankerl aufgestellt worden. Dorthin wurde täglich
die Milch von den Bauern geliefert und vom Molkereiauto abgeholt. Dafür
kam 1979 das Ende.
Die Schweinehaltung
Wie die Milchwirtschaft reicht auch die Schweinehaltung in frühe
Jahrhunderte zurück. Im schon genannten Inventar aus dem Jahre 1733 sind
neben 5 Schweinen 20 Pfund geselchtes Schweinefleisch erwähnt.
Beachtenswert ist das Inventar aus dem Jahre 1777 mit der Nennung von „ 1
Mastschwein“. Aus Protokollen anderer Güter ist bekannt, dass man Schweine
damals bis 3 und mehr Jahre gemästet hat. So etwas ähnliches geht aus dem
Preis dieses hier genannten Mastschweines hervor. Mit 15 Gulden ist dieses
Schwein fast so hoch bewertet wie die „bessere Kuh“, die mit 16 Gulden
angeführt ist.
Bei der Inventur im Jahre 1801 wurden die 5 vorhandenen Schweine zusammen
mit 20 Gulden bewertet.
Die Schweinehaltung entwickelte sich beim Maisser bedeutend weiter. So
wurden nach Angabe des Vorbesitzers schon zur Zeit seiner Eltern und unter
ihm und seiner Frau an die 50 Schweine gehalten. Davon etwa 6 Zuchtsauen.
Gezüchtet wurde für den Eigenbedarf, aber auch für den Verkauf an Händler.
Der Eigenbedarf belief sich auf etwa 10 Schweine im Jahr.
Ab 1979 gab es nur mehr Schweinehaltung. Bis in das Jahr 2000 auch mit 15
Zuchtschweinen. Seit dem Jahre 2000 gibt es nur mehr die
Mastschweinehaltung mit etwa 100 Tieren.
Zur Baugeschichte des Maissergutes
Die Entstehung der Bauerngüter in unserem Land reicht weit ins Mittelalter
zurück. Das kann auch vom Maissergut angenommen werden.
Einzelaufzeichnungen darüber sind nicht mehr vorhanden. Wenn das Maisser
nach derzeitigem Wissensstand im Jahre 1569 erstmals urkundlich erwähnt
wird, heißt das bei weitem nicht, dass es erst seit dieser Zeit existiert.
Jedenfalls ist für diese Zeit ebenso ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude als
gegeben vorauszusetzen. Von mehreren anderen Ansfeldner Bauernhäusern ist
schriftlich bekannt, dass diese noch 1670 zum sehr großen Teil aus Holz
erbaut waren. Beim Maisser ist das ebenso anzunehmen, zumal noch im
20.Jahrhundert sogar der Pferdestall aus Holz war.
Von Franz Jungmair senior konnten noch Zeugen erwähnt werden, die auf
frühere Bauperioden hinweisen. So wurde beim Abtragen der alten Stube ein
Balken mit der Jahreszahl 1777 entfernt. Das war ein sicherer Hinweis,
dass in dieser Zeit unter den Besitzern Adam und Maria Forster ein
bedeutender Umbau des Maisserhauses erfolgt war. Der Balken ist nicht mehr
erhalten.
Im Stadl war die Jahreszahl 1814 gefunden worden. Ebenso im Stadl befand
sich der folgende Spruch aufgeteilt an den Säulen rechts und links von der
Tenne: Auf der einen Seite: „Bindet das Unkraut zusammen zum Verbrennen“,
auf der anderen Seite: „den Weizen aber in meine Scheune“. Angefügt waren
ebenfalls je an einer Seite laut Aussage die Namen „Elisabeth und Andreas
Zehetner“. Nun waren aber Andreas und Elisabeth Zehetner erst ab 1827
Besitzer des Maissergutes. Daher muss der Umbau des Stadels mit der
Jahreszahl 1814 schon unter Franz und Anna Forstner erfolgt sein. Der
Spruch wurde jedenfalls erst später von Elisabeth und Andreas angebracht.
Ob dabei auch Bauliches verändert wurde, ist nicht festzustellen.
Der nächste verlässliche Hinweis auf eine Bauzeit bildet der granitene
Haustürstock mit der Jahreszahl 1882. Nach Aussage von Franz Jungmair muss
damals die Südwestseite und der Keller neu gebaut worden sein. Diese
Bauperiode fällt in die Zeit von Ignaz und Anna Zehetner. Eine Tafel, die
im alten Schweinestall mit der Jahreszahl 1900 angebracht war, weist
ebenfalls auf eine weitere Bauperiode unter diesen Besitzern.
1948 Küchenumbau
Unter den Eltern von Franz Jungmair sen. wurde im Hause noch Brot
gebacken. Daher auch ein paar Zeilen aus „alter Zeit“. In der Stube stand
die ganze Zeit zugedeckt der „Backtrog“. Wenn das Brot sich dem Ende zu
neigte, wurde im „Bachtrog“ das Mehl bereitgestellt und in einer
mühevollen händischen Knetarbeit der Brotteig zubereitet. Etwa 20 Laib
oder darüber wurden daraus geformt und für einige Zeit in kleine
„Backkörbchen“ gegeben. Dabei mußte der Sauerteig seine Wirkung tun und
den Teig zur Entfaltung bringen. Waren die Brotlaibe entsprechend
„aufgegangen“, wurden sie in den Backofen geschoben. Dafür wurde dieser
entsprechend geheizt. Franz Jungmair erinnert sich, wie er in seiner
Jugend zum Beheizen des Backofens die eigens dafür hergerichteten Scheiter
in den Backofen genau nach einem bestimmten Plan schlichten musste. Dabei
musste auch in der Tiefe des Backofens das Holz sorgfältig geschlichtet
werden. War beim Heizen durch die Glut die nötige Hitze erreicht, wurde
die Glut entfernt und der Ofen innen sehr sorgfältig gereinigt. Dann
wurden die Laibe auf einer Art flachen Schaufel „eingeschossen“. Nach
halber Backzeit wurden die Laibe herausgenommen und die Lage im Backofen
gewechselt. Jene, die vorne lagen, kamen nach hinten und umgekehrt. Nach
vollendeter Backzeit wurde das Brot in eigenen „Holzleitern“ aufbewahrt.
Beim Küchenumbau im Jahre 1948 wurde der Backofen entfernt. Damit gibt es
seither kein eigenes Brotbacken mehr.
Strohdach bis 1952
Weitere Bauarbeiten sind erst wieder ab 1952 bekannt mit der letzten
Ziegeleindeckung. Bis zum Jahre 1952 war ein Teil des Maisserhauses noch
mit Stroh gedeckt. Für die Dachdeckung konnte nur Korn - d. h. Roggenstroh
Verwendung finden. Das Strohdach musste nach 25 bis 30 Jahren erneuert
werden. Es hatte aber kaum ein Bauer soviel Roggenstroh in einem Jahr,
dass er das ganze Hausdach auf einmal hätte eindecken können. So wurde
abschnittweise ausgebessert. Das Roggenstroh musste für den Dachdecker
sehr sorgfältig vorbereitet werden. Es gab dafür eigene Geräte zum
„Auskämmen“. Das ausgekämmte Stroh wurde zu Bündeln, sogenannte „Schab“
gebunden. Daher wurde dieser Dachdecker auch Schabdecker genannt. Eine
gute Ausbildung war für diesen Beruf nötig. Das Strohdach war sehr
feuergefährdet. Wenn ein Haus mit Strohdach aus irgendeinem Grund zu
brennen begann, gab es jedenfalls für das ganze Dache keine Rettung. Bei
einem solchen Brand mussten daher mehrere Bauern mit Roggenstroh
beisteuern, damit ein Haus wieder voll eingedeckt werden konnte. Dazu gab
es eine entsprechende Versicherung, in der der einzelne Bauer sich bereit
erklärte, einem Abbrändler eine gewisse Anzahl „Schab“ zur Verfügung zu
stellen.
1960 Brunnen
Bis zum Jahre 1960 wurde das Wasser aus dem Gschaidbache bezogen. Ein
sogenannter „Widder“ hatte das Wasser unten vom Bach in das Haus herauf
gepumpt. Es war dies ein Pumpgerät, das seine Pumptätigkeit durch
Wasserdruck selbsttätig bewerkstelligte. Durch den Druck einer vielfachen
Wassermenge in einem Zylinder wurde bei Öffnung eines Ventils eine kleine
Wassermenge in die etwa 800 m lange Leitung zum Haus gepumpt. Die
Pumpfähigkeit war sehr gering. In der Minute wurde 1 Liter Wasser
befördert. In der Küche befand sich ein großer steinerner „Grander“, in
den das Wasser unaufhörlich gepumpt wurde. Überflüssiges Wasser wurde nach
außen abgeleitet. Ein „Grander“ befand sich auch im Stall; wenn in der
Küche zugedreht wurde, floss das Wasser in den dortigen Behälter.
1960 wurde ein Brunnen gebaut. Dazu erzählt Franz Jungmair senior
folgendes:
Eines Nachts hatte er einen Traum, dass sich außerhalb des Hauses ein
Brunnenschacht befände, der nicht mehr sichtbar sei. Dieser Traum bewog
ihn, nachzusuchen. Tatsächlich fand er vor dem Haus unter Schotter den
zugedeckten Brunnenschacht. Es ist nicht zu zweifeln, dass das im Inventar
1777 genannten „Brunnenseil“ ein Hinweis ist, dass damals aus diesem
Brunnenschacht mit dem Seil das Wasser gehoben wurde. Mit der einst neuen
Möglichkeit, durch den „Widder“ die Wasserzuleitung aus dem Gschaidbach
einzurichten, war offensichtlich dieser Brunnenschacht überflüssig
geworden.
Liste der Besitzer am Maissergut
1. Maisser Stefan 1569
2. Maisser Christoph und Margareta vor 1660
3. Herz Paul 1660
4. Reisinger Gabriel und Salome 1686
5. Wimmer Simon und Salome 1701
6. Wimmer Simon und Sophia 1733
7. Forster Adam und Sophia 1753 bis 1776
8. Forster Adam und Maria 1777 bis 1801
9. Forster Franz und Anna Maria 1801 bis 1827
10. Zehetner Andreas 1827 bis 1842
11. Zehetner Andreas und Elisabeth 1842 bis 1843
12. Zehetner Simon und Anna Maria 1843 bis 1844
13. Zehetner Simon 1844 bis 1851
14. Zehetner Andreas und Elisabeth 1851 bis 1874
15. Zehetner Ignaz und Anna Maria 1874 bis 1914
16. Jungmayr Johann und Maria 1916 bis 1932
17. Jungmayr Johann 1932 bis 1953
18. Jungmair Franz und Rosa 1953 bis 1990
19. Jungmair Franz Josef und Anna ab 1990