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Entstehung der Vierkanthöfe

 
 

 

 
 

Über die Entstehung der Vierkanthöfe gibt es mehrere Theorien (nach Johann Hintermayr):

Es gibt sicherlich im Werdegang verschiedene Vorstufen dieses Bautypus im In- und Ausland. Der Vierkanter, wie er im ober- und niederösterreichischen Raum in den fruchtbaren Flach- und Hügelgebieten südlich der Donau anzutreffen ist, kann man als die vollkommenste Gehöfteform bezeichnen.

Über die geschichtliche Entwicklung der Vierkanthöfe gibt es einige Theorien, aber keine Beweise.
1.) Die Wehrtheorie: Ähnlich mittelalterlichen Burgen und Schlössern sei der Vierkanthof nachgebaut worden.
2.) Die Funktionstheorie: Der Vierkanter biete die beste Betriebs- und Arbeitsform für die mittelalterliche Naturalwirtschaft.
3.) Die Evolutionstheorie: Der Vierkanter ist das Ergebnis einer Entwicklungslinie, die ihren Anfang im mittelalterlichen Gruppenhof nimmt. Die barocken Klosterbauten können auf das bäuerliche Bauen gewirkt haben. Diese Bauform bietet bei der täglichen Arbeit in Haus und Hof zu jeder Jahreszeit arbeitsmäßig Vorteile gegenüber weitläufigen Anlagen. Die vielen Arbeitsvorgänge zwischen Haus- und Wirtschaftsräumen sind wesentlich kürzer, und man ist besser gegen die Unbill der Witterung geschützt.

Die Ausmaße der Vierkanter hängen von der Größe des betreffenden Grundbesitzes ab. Ab 50 Joch Grund sind die Besitzungen in die Kategorie der Großvierkanter einzureihen.

Das ist auch die häufigste Hofform in Ansfelden. Die Höfe erreichen dabei einen Umfang von 180-220 Meter. Zum Hauptmerkmal dieser Gehöfttype gehört der viertraktige Bau mit der ringsum geschlossenen Firstlinie; Wohngebäude und Wirtschaftstrakte sind miteinander in einer Anlage vereinigt.

Ursprünglich waren die Vierkanter ebenerdig. Überraschend viele Stallfronten sind südlich situiert. Die Südseite ist die geschütztere, die wärmere und windstillere, die für das Vieh echte Vorteile bot. Die Räume für das Vieh genossen schon immer einen Vorrang gegenüber den Wohnräumlichkeiten. Der Wohntrakt war auch das letzte Bauvorhaben. So konnte man noch in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts manche Bauernhöfe sehen, bei denen der Hausstock eingeschossig war, während alle anderen Gebäude Zweigeschossigkeit aufwiesen.

Als große Bauepoche für den Vierkanter (Aufstockung) kann man die Zeit zwischen 1850 bis 1870 bezeichnen. Die Jahreszahlen an den steinernen Haustürgerichten sind Beweis dafür. Die hauseigenen Ziegelbrennereien begünstigten die rege Bautätigkeit. Das händische „Ziegelschlag´n“ und das Brennen besorgten Gastarbeiter aus Italien. Als Bindemittel für den Ziegelbau wurde ein mit Wasser, Spreu und Grät´n vermengter Lehm („Loahmsupp´ n) verwendet. Dieser bereits körnerfreie Mörtel verlangte für das Mauerhandwerk große Genauigkeit und bewirkte durch die erzielten schmalen Fugen einen gediegenen Gesamteindruck. Bewunderswert sind die rohbelassenen Ziegelfassaden durch die „Stürze“ über den Fenstern, weiters durch das zwischen dem Erd- und Obergeschoß ausgelegte Zierband-Element in verschiedenen Variationen und durch die Gesimsgestaltung. Diese Mauerzier wurde erhöht durch weiße Fensterputzfaschen. Echte Steinmetzkunst beweisen die steinernen Gewände bei Haustür- und Hoftorrahmen. Von den verschiedenen Türornamenten (Malzeichen, Rauten, Sonnen und Sterne) zählten die Sternentüren zu den beliebtesten. Durch Anbringen von Fresken und bemalten Bildern über den Haupteingängen- vornehmlich über der Haustür- wurde bildhaft das Haus unter den Schutz von Heiligen gestellt. Die Vierkantfassaden künden von der handwerklichen Fertigkeit der Erbauer, von ihrer Lebensauffassung und von einem bestimmten Schmuck- und Zierbedürfnis. Die Erhaltung dieser profanen Baudenkmäler sollte jedem Besitzer Verpflichtung sein. Nach einem ungeschriebenen Gesetz obliegt es jeder Generation, auf dem Hof einen der vier Trakte neu instandzusetzen, sodaß sich der Hof innerhalb von etwa 100 Jahren immer wieder erneuert.