Hausgeschichte des Wilhelmgutes in Grabwinkl
Mit dem Namen „Wilhalmus“ scheint das Wilhelmgut unter „Chronwinchel“ im
Stifts-Urbar St. Florian aus dem Jahre 1378 erstmals urkundlich auf.
Es sind dort die folgenden Abgaben an das Stift St. Florian verzeichnet:
In Geld.
Steuer 60 Denare,
Dienst 50 Denare
Ohne Angabe 3 Denare,
zu „Nat.Chr“, also zu Weihnachten 8 Denare
In Naturalien:
Im Herbst 1 Gans und 2 Hennen
In der Fastenzeit 1 Henne,
zu Ostern 40 Eier und 2 „Kas“
Diese Abgaben waren jährlich an das Stift abzuführen, da das Gut zum Stift
St.Florian gehörte, d.h. das Stift St. Florian war der Grundherr. St.
Florian übte daher auch die ganze Verwaltung über das Gut aus und führte
z.B. die Verlassenschaftsabhandlungen durch.
Zumindest seit dieser Zeit hatte das Wilhelm-Gut in Grabwinkel außer den
obigen Abgaben auch den Zehent an das Stift St. Florian zu leisten. Der
Zehetner zu Berg war dafür verantwortlich, beim „Wilhalm“ den zehnten Teil
des Getreides vom Feld für das Stift St. Florian abzuholen. (Stiftsurbar
St. Florian 1378)
Im Urbar des Stiftes St. Florian aus dem Jahre 1525 sind die folgenden
Abgaben verzeichnet:
In Geld:
4 Schillingpfennig und 17 Pfennig (= ein halber Gulden und 17 Pfennig).
In Naturalien:
3 Hennen.
2 Hähne,
2 Kas
40 Eier
Dieselben Abgaben sind im Jahre 1715 angegeben.
Am 14.September 1642 schloß Maria Wilhalmin in Grabwinkel die Ehe mit
Zacharias Maurer (Trauungsbuch Ansfelden S 307)
Es ist vom Namen her anzunehmen, dass Maria das Wilhelmgut geerbt und dass
Zacharias auf das Haus zugeheiratet hatte. Bei den später angeführten
Taufeintragungen der Kinder des Zacharias und der Maria ist Zacharias
nicht mehr mit seinem Familiennamen sondern als Zacharias Wilhelm
eingetragen. Er hat durch die Zuheirat den Hausnamen als Familiennamen
angenommen.
Am 26.Dezember 1642 starb Sebastian Wilhelm „ in Grawinkl“ (Totenbuch
Ansfelden S 406)
Er ist wahrscheinlich der Vater der im September 1642 verehelichten Maria
Wilhalmin .
Am 23.November 1677 schloß Leonhard Wilhelm, Sohn des Zacharias und der
Maria Wilhelm in Grabwinkel, die beide noch am Leben waren, die Ehe mit
Katharina, Tochter des Paul und der Barbara Mayr „zu Gerlading“.
(Trauungsbuch B S 312) In dieser Trauungseintragung ist wieder
bezeichnend, dass der Vater des Leonhard als „Zacharias Wilhelmlehner“
eingetragen ist. Von seinem ursprünglichen Familiennamen Maurer ist nach
wie vor keine Rede mehr. Daher gibt es in der Folge keinen anderen
Familiennamen am Hause mehr als „Wilhelmlehner“ oder „Wilhalmlehner“.
Am 2.Juni 1678 wurde dem Leonhard und der Katharina Wilhelm eine Sophia
getauft. Auffallend dabei ist, dass der Vater Leonhard im Taufbuch als „operarius“
bezeichnet wird.
(Taufbuch B S 164) Er war also noch nicht Besitzer des Wilhelmgutes. Er
war am Gut nur als Arbeiter tätig. Das Gut hatten noch die Eltern in der
Hand und führten die Wirtschaft.
Am 16.Jänner 1681 starb der Besitzer des Wilhelmgutes in Grabwinkel
Zacharias Wilhelm.
Allem Anschein nach behielt die Witwe weiterhin die Wirtschaft in der
Hand. Das junge Paar war weiterhin nur als Arbeitskraft am Hof.
Am 14.Oktober 1700 starb die Witwe Maria Wilhelm „ am Wilhelmlehen“ im
Alter von 80 Jahren. Die Bezeichnung „am Wilhelmlehen“ weist darauf hin,
dass sie noch Besitzerin und nicht Auszüglerin war. Erst nach ihrem Tod
wurden Leonhard und Katharina Besitzerin.
Um 1750 fand eine von Kaiserin Maria Theresia angeordnete Erhebung der
Besitzverhältnisse und Erträge zum Zwecke der Steuerbemessung statt. Dabei
wurden in der sogenannten „Theresianischen Fassion“ über das Wilhalmlehner
in Grabwinkel die folgenden Daten festgehalten:
Als Besitzer ist dort angeführt: Sebastian Wilhalmlehner.
Der Wert des Gutes betrug damals 475 Gulden.
Über den Viehstand heißt es darin:
2 Pferde
2 Kühe,
5 Schafe,
2 Schweine.
Über den Ernteertrag heißt es:
2 Metzen Weizen angebaut, 12 Metzen geerntet,
4 Metzen Korn angebaut, 15 Metzen geerntet,
4 Metzen Hafer angebaut, 15 Metzen geerntet,
4 Metzen Wicken angebaut, 18 Metzen geerntet
Most ist lediglich 1 Eimer verzeichnet.
(Ther.Fassion,Traunviertel,St.Florian,Hs 206)
Am 8. Februar 1859 schloß die Witwe und Besitzerin des Wilhelmgutes Anna
Maria Lehner die Ehe mit Michael Bachl, Sohn des Sebastian und der
Magdalena Bachl vom Fürhappergut in Ansfelden. Michael war 31 Jahre und
die Witwe 44 Jahre alt. Michael war beim Huber in Grabwinkel im Dienst.
Michael Bachl wurde am 4. März 1859 Mitbesitzer am Wilhelmgut. Mit dieser
Ehe und Besitzübernahme durch Michael Bachl kam der Name Bachl auf das
Wilhelmgut. Kinder sind dieser Ehe nicht entsprossen.
Nach dem Tod seiner Frau Anna Maria wurde Michael Bachl am 27. Dezember
1865 als
Alleinbesitzer im alten Grundbuch eingetragen.
Am 15. Mai 1866 schloß der 39jährige Witwer und Besitzer des Wilhelmgutes
Michael Bachl
die Ehe mit der 25jährigen Klara Moosbauer, Tochter des Josef und der
Katharina Moosbauer
vom Mayrgut zu Gerling.
Am 25. November 1899 wurde der Wilhelm-Sohn von Grabwinkl, Franz Bachl, auf
dem
Rückwege von St. Florian vor dem sogenannten „Auge Gottes“ im Forstholz
von zwei
Strolchen gegen 10 Uhr am Vormittag angefallen. Dem Angegriffenen gelang
es bei seiner
Stärke den ersten zu Boden zu ringen, er ergriff aber besser dann die
Flucht, allerdings schon
mit einer leichten Wunde an der Brust. Die Täter blieben unentdeckt.
Am 4. Februar 1941 schloß Johann Bachl, Sohn des Franz und der Barbara
Bachl die Ehe mit
Theresia Stöckler, Tochter des Franz und der Barbara Stöckler aus
Schiedlberg. Johann Bachl
ist im Grundbuch unter dem 27. Dezember 1940 als Alleinbesitzer
eingetragen.
Am 2. Jänner 1942 wurde dem Ehepaar Johann und Theresia Bachl der Sohn
Johann geboren.
Am 30. November 1943 wurde der Sohn Franz geboren.
Am 1. Februar 1975 wurde das Wilhelmgut an Franz Bachl übergeben. Mit 2. Mai
1978 wurde
seine Frau Gertraud als Mitbesitzerin angeschrieben.
Am 6. Mai 1978 schloß der neue Besitzer die Ehe mit
Gertraud Maria Hartl. Diese ist die älteste Tochter von fünf Kindern des
Karl und der Cäcilia Hartl vom Helmlgut in Linz, Neue Heimat, Angerhofweg
54. früher Kleinmünchen 44. Dieses landwirtschaftliche Anwesen liegt hart
am Rande des verbauten Gebietes von Linz –Neue Heimat.
Der Auszugsbauer Johann Bachl erzählte anlässlich einer Besprechnung
dieser Hausgeschichte am 9.Dezember 1989 folgendes aus seiner und des
Hauses Vergangenheit.
Am 1. Jänner 1940 mußte ich einrücken und war durch 4 Monate bei der
Kraftfahrersatzabteilung 45 in Amstetten. Als die Kameraden an die Front
kamen, konnte ich zur Arbeit heimkehren, weil ich „uk“ gestellt worden
war. Ich war daheim bis 1. Jänner 1943. Dann wurde ich wieder zur
Kraftfahrabteilung in St. Pölten eingezogen. Im August 1943 kamen wir in
das Küstengebiet bei Le Havre und Cherbourg als Besatzungssoldaten. Im
Dezember 1943 wurde ich nach Russland überstellt. Dort war ich 8 Monate im
Fronteinsatz. Bei einem Einschlag von Granaten neben unserem Granatwerfer
durch russische Granatwerfer hatten wir am 8.Jänner 1944 zwei Tote, dabei
war mein allerbester Kamerad Karl Taucher. Ich kam mit einer kleinen
Verwundung in der Hand davon.
Am 14. August 1944 wurde ich in Lettland in der Nähe von Riga wieder
verwundet. In den beiden Füßen hatte ich Stecksplitter, im linken
Lungenflügel einen Stecksplitter, den ich noch heute mittrage. Daraufhin
war ich sechs Monate im Lazarett, dann kam ich zur Ersatztruppe nach
Mährisch-Schönberg. Dort war ich bei einem Oberstleutnant, dem
Regimentskommissär, als Putzer.
Nach zwei Monaten, am 13. März 1945, ging es wieder an die Front in die
Umgebung von Ratibor. Dort waren schon die Jüngsten und die Ältesten im
Einsatz, Hitlerjugend und Volkssturm. Unser Kompaniechef bekam zwei
16jährige als Melderburschen.
Am 13. April 1945 kochte ich in einem Haus für unsere Granatwerfergruppe.
Wenn ich für die ganze Gruppe koche, hat es geheißen, dann brauche ich
nicht Wache zu schieben. Während des Kochens- ich bereitete gerade
Bratkartoffel- traf ein Granateinschlag der Russen das Haus, in dem wir
untergebracht waren. Ich stürzte und konnte nicht mehr aufstehen. Ich
hatte 9 Einschläge in den Füßen. Davon habe ich noch heute links einen
lahmen Unterschenkel. Ich kam durch zwei Wochen in das Gefangenenlager in
Eger. Dann kam ich endlich nach Marienbad ins Lazarett. Bis dahin lag ich
nur im Stroh. Im Lazarett kam ich zu der Wohltat, wieder in einem Bett
liegen zu können. Der Aufenthalt im Lazarett dauerte bis 22. August 1945.
Anschließend war ich noch zwei Jahre daheim bei Dr. Fessl in Behandlung.
Ich blieb aber ein 50%iger Invalide.
Aus der alten Zeit kann ich noch einiges berichten:
Um 1920 waren bei uns die folgenden Dienstboten tätig:
ein Hausknecht,
ein Rossknecht,
ein Mitarbeiter,
ein Stallbub;
eine Große Dirn,
eine Saudirn und
eine Kucheldirn.
Alle vier Wochen wurde eine Sau abgestochen. Damals waren die Fetthäfen
noch sehr von Bedeutung. So wurden zu Weihnachten noch Schweine
abgestochen mit einem Gewicht von 250-300 kg, um wieder die Fetthäfen
füllen zu können.
Während meiner Zeit als Besitzer gab es n och einen Hausknecht und einen
Rossknecht. Der Großvater von Prof. Sepp Friedhuber war bei uns 8 Jahre
als Hausknecht. Er war der letzte Hausknecht in unserem Hause. Dieser
wohnte in Grabwinkl 8 (im Häusl).
Während des 2.Weltkrieges war meine Frau, Theresia Bachl,
Betriebsführerin. Als Hilfe stand ihr ein französischer Kriegsgefangener
als Rossknecht zu Verfügung. Dieser war daheim Bauer. Ein weiterer
französischer Kriegsgefangener stand sonst noch bei uns in Arbeit.
Außerdem waren eine Russin und eine Polin als weibliche Hilfskräfte
bei uns im Einsatz.
Im Lazarett in Marienbad hatte ich Adolf Kotrasch kennen gelernt. Dieser
getraute sich, weil er Jugendführer bei der Hitlerjugend gewesen war,
nicht nach Hause, obwohl er ohne weiteres entlassen worden wäre, und er
nur 8 km von seiner Heimat Jägerndorf entfernt war. Der Stabsarzt sagte zu
mir, wenn ich diesen Kotrasch mit zu uns heim nehme, dann käme ich früher
heim, weil dieser mich begleiten könnte. Ich konnte ja noch mit meinen
verwundeten Füßen überhaupt nicht gehen. Die Kollegen mußten mir nun über
Auftrag des Stabsarztes das Gehen lehren. Die Möglichkeit einer baldigen
Heimkehr animierte mich, mit Hilfe meiner Kameraden möglichst rasch wieder
gehen zu können. Das führte tatsächlich zur Entlassung, so dass ich
schließlich in Begleitung von Kotrasch die Heimfahrt antreten konnte.
Daheim war ich noch zwei Jahre unfähig zur Arbeit und war sehr froh um die
Hilfe durch Kotrasch.
Später bekam Kotrasch für seine Arbeit auf unserem Hof einen Baugrund als
Entlohnung, dies betraf die Entlohnung für sieben Monate Arbeit. So konnte
er sich an der Straße ein Häuschen bauen. Er war zwei Jahre bei uns und
bekam für die übrige Zeit Lohn ausbezahlt.
Auch das Lehner-Haus entstand auf ähnliche Weise (heute Grabwinkel 19).
Frau Lehner arbeitete hier bei uns durch sieben Monate Dienst den Grund
ab, auf dem sie ein Haus erbauten.
Theresia Bachl, meine Frau, stammt vom Hausergut in Lutzmannsdorf in
Schiedlberg. Sie war die einzige Tochter dieses Hauses. Das Haus wurde
verkauft an einen Mühlviertler. Es besaß ca. 11 ha Grund. Mit dem Betrag
vom Haus- und Grundverkauf wurde der Baugrund mit ca. 1 Joch gekauft und
ein Auszugshaus für uns gebaut. Das Haus ist ein Stockhaus in Kremsdorf,
Bahnhofstraße 59. In Erinnerung ist mir noch, dass bei diesem Hausbau im
Jahre 1956 die Maurerstunde beim Baumeister 14 Schilling kostete.
Zur wirtschaftlichen Entwicklung:
Da ich Invalide war, bekam ich schon 1948 einen Gutschein für den Ankauf
des Traktors „Steyr 26“. Im Jahre 1950 wurde das erste Auto ein „Steyr 50“
um 25.000 Schilling gekauft. Zuvor gingen die Ausfahrten mit der Familie
nach Schiedlberg mit dem Traktor vor sich.
Im Jahre 1956 wurden 3 Fahrzeuge gekauft: ein Traktor „MAN“ mit 40 PS mit Allrad um 96.000 S, ein Hackfruchttraktor „Steyr 15“ und ein VW um 70 000
S. Zu diesem Zeitpunkt wurde das letzte Pferd weggegeben. Das damalige
Preisverhältnis: zwei Pferde hatten etwa den Preis von einem Traktor.
Im Jahre 1971 kam wieder das erste Pferd in den Stall.
Im Jahre 1958 wurde der erste selbstfahrende Mähdrescher erworben.
Im Bauernhaus in Grabwinkl 7 befindet sich eine Schlafzimmereinrichtung in
Nussholz. Auf den Kästen steht die Jahreszahl 1907. Die Barbara Bachl,
geborene Schimpelsberger, brachte diese Einrichtung als Heiratsgut in
unser Haus. Hergestellt wurde diese Einrichtung von der erzherzoglichen
Hoftischlerei in Linz „Samhaber“, die mit diesen Möbeln bei einer
Ausstellung angeblich den 1. Preis erreicht hatte.
Im Hause befindet sich ferner eine alte Truhe aus dem Jahre 1811. Sie ist
sehr gut erhalten, ohne dass jemals eine Auffrischung erfolgt wäre.
Ein alter Bauerntisch steht noch im Vorhaus mit der Jahreszahl 1883 mit
eichener Platte, der ebenfalls sehr gut erhalten ist.
Soweit die persönlichen Mitteilungen vom 9. Dezember 1989, als der
Altbauer noch lebte.